Interview mit Naziaussteiger.

Die rechte Szene ist für viele Jugendliche sehr attraktiv. Diese steigen oftmals sehr früh, etwa schon mit 14 Jahren ein. Die antifaschistische Jugend Dortmund hatte die Möglichkeit mit einem jetzt 16-Jährigen Aussteiger zu reden und diesem ein paar Fragen zu stellen.

AJD: Welche Eindrücke und Erlebnisse hattest du als du in der rechten Szene aktiv warst ?

„Als ich die ersten Leute aus der Szene traf, dachte ich ersteinmal: „Wow, toll, neue Freunde“, und machte mit. Auch am Anfang habe ich nur mitgemacht, weil ich es so cool fand, da es ja so verboten war. Damals muste ich mir jeden Tag einreden, dass die Ideologie richtig wäre. Jedoch konnte ich dies nie mit meinem Gewissen vereinbaren, da ich viele nicht deutsche Freunde hatte, aber wegen der NEUEN Freunde habe ich dann doch mitgemacht.“

AJD: Wie hast du damals über die linke Szene/ die Antifa gedacht?

„Damals dachte ich, dass alle Linken ungebildet und einfach nur hasserfüllt gegen die Rechten wären. So wurde es mit jedenfalls eingeredet, bis ich es dann halbwegs glaubte. Mir wurde immerwieder schlecht über die Antifa berichtet, sodass ich dachte, dass alles nur ungebildete Schläger wären.“

AJD: Warum bist du Ausgestiegen, und wie sind deine ehemaligen, rechten Freunde damit umgegangen ?

„Zum Ausstieg haben mich mehrere Sachen bewegt:
Zum einen war es der Verlust von meinen alten Freuden, mit denen ich teils sehr gut befreundet war. Keiner wollte sich mehr mit mir treffen.
Außerdem haben mich einige Linke gesucht und auch einmal „gepackt“.
Auch in der Schule bekam ich Probleme, da sich meine damalige politische Richtung rumsprach. So wurden auch Lehrer und Mitschüler auf mich aufmerksam.
Zudem haben auch viele Linke, mit denen ich noch Kontakt hatte, mir die Augen geöffnet.

Nach den ganzen Ereignissen und Erzählungen entwickelte ich Hass auf die Neonazis und wollte einfach nur noch aus der Szene raus. Seitdem entwickelte ich nur noch Verachtung und Hass auf die Rechten.
Meine ehemaligen Kameraden kamen ersteinmal ganz freundlich zu mir, mit Argumenten wie z.B. „Wir vermissen dich in unsren Kreisen“ oder „Wir mögen dich doch so“.
Als das nicht gezogen hat und ich mich strikt weigerte, mich mit ihnen zu treffen wurden sie sauer.
Ich bekam eine Menge Drohungen wie z.B. „Wir kriegen dich du verdammter Verräter“. Meine Freunde und mein Vater sahen auch ab und zu die Nazis, wie sie in meiner Straße auf mich warteten. Zum Glück war ich da nicht unterwegs, sondern aus Angst zuhause oder bei Kollegen, auf die ich zählen konnte, falls was passiert.
Ich habe die Nazis die mir drohten, angezeigt. Danach wurden sie wieder freundlich, was aber nichts gebracht hatte.
Dann haben sie aufgehört mir zu schreiben. Seitdem verfolgen sie mich wenn sie mich sehen.
Regelmäßig kleben die Rechten noch Aufkleber in meiner Wohngegend, die ich aber nur noch abreiße bzw. überklebe.“

AJD: Wie denkst du jetzt über die rechte, bzw. die linke Szene in Dortmund?

„Jetzt hasse ich die Nazi-Szene nur noch. Über die Antifa denke ich jetzt ganz anders. Für mich sind das jetzt Leute, die wissen was sie tun. Sie bekämpfen die Ungerechtigkeit und den blinden Hass gegen Andersdenkende. Außerdem verfolgen die Linken eine sehr lobenswerte Ideologie an die ich aus EIGENER Überzeugung jetzt glaube.“

Wir bedanken uns für das Interview und ermutigen alle Neonazis aus der rechten Szene auszusteigen.
Wer Hilfe benötigt sollte sich an die Hilfsorganisation EXIT, oder an eine lokale Antifa wenden.