Rückblick – 2009

Was war los im Jahr 2009? Wir haben die wichtigsten Ereignisse knapp zusammengefasst, um euch einen kleinen Überblick zu den Entwicklungen in Dortmund zu geben:

Als Reaktion auf den Antifa-Adventskalender wurde seit Anfang diesen Jahres, 52 Wochen (also ein Jahr), jeden Montag ein Mitglied der linken Szene geouted. Die Schwierigkeiten der Nazis, die nötigen Informationen zusammen zu tragen, wurden schnell deutlich. Die Infotexte, Bilder und sogar Namen der vermeintlichen Antifas waren fehlerhaft und nicht selten gänzlich falsch. Aufgrund der fehlenden Infos wurden des Öfteren bereits bekannte Personen der Linkspartei, Kirchenmitglieder oder Antifas aus umliegenden Städten geouted.
Ab und zu brach der Server auch komplett zusammen. Die Antifa-advent-crew äußert sich zur Outingkampagne der Nazis wie folgt:

„Nachdem die Dortmunder Antifa in diesem Jahr um bald 52 neue Mitglieder gewachsen ist, können wir entspannt und gestärkt ins neue Jahr starten, mit dem Wissen, über eine der größten antifaschistischen Szenen in Deutschland zu verfügen. So wird wieder einmal deutlich, dass die Nazis ihre Parole “Dortmund ist unsere Stadt!” gegen die Realität verteidigen.“

Den ersten Schlag erhielten die lokalen Braunen als der rechte Szeneladen ‚Donnerschlag’ in der Rheinischen Straße im Januar endgültig geschlossen wurde. Dieser war lange Zeit ein wichtiger Anlaufpunkt der örtlichen Naziszene.

Am 28. März fand die 4. Großdemonstration im Gedenken an den ermordeten Punk Thomas Schulz statt. Dieser wurde am 28.03.2005 von einem Nazi in der U-Bahnstation Kampstraße erstochen.
Rund 800 Antifaschisten liefen unter dem Motto „keine Homezone für Nazis“ durch den von Rechten geplagten Heimatstadtteil des Mörders – Dortmund-Dorstfeld.
Am Abend fand eine weitere Kundgebung an der Kampstraße statt.

Das nächste große Ereignis geschah kurz nach der Gründung der antifaschistischen Jugend Dortmund, nämlich am 1. Mai.
Die DGB ging wie jedes Jahr mit mehreren Hundert Demonstranten am Tag der Arbeit für soziale Gerechtigkeit auf die Straße.
Noch bevor der Demonstartionszug startete wurden die Teilnehmer am Versammlungsort vor dem Dortmunder Konzerthaus von 300 autonomen Nationalisten angegriffen.
Bei dem vom ‚Nationalen Widerstand Dortmund’ geplanten Angriff wurde mit Steinen, Flaschen und Feuerwerkskörpern in die Menge geworfen.
Die Polizei war mit der Situation sichtlich überfordert und ging ausschließlich gegen ein Dutzend Gewerkschafter los, die die Teilnehmer der DGB-Demo vor den Nazis schützten.
Der Vorfall erregte bundesweite Aufmerksamkeit und Schockierung über die Skrupellosigkeit der Rechten.

Hier ein Video zu den Vorfällen

Am 17. Mai wurde der 40 Jährige Timo B. Aufgrund eines linken T-Shirt in einer Unterführung gegenüber der Lenzstube, einer Stammkneipe für Dortmunder Ultras, von 6 Männern im Alter von 18 – 25 Jahren brutal zusammen geschlagen und getreten.
Im Anschluss fand eine Spontandemonstration gegen rechte Gewalttaten statt.
Das Opfer der Naziattacke ist jetzt Querschnittsgelähmt.

Am 5. September wurde den Dortmunder Nazis trotz eines langwierigem Verbotsverfahren kurzfristig gestatten ihre ‚Antikriegstagdemonstration’ in Dortmund ein weiteres Mal durchzuführen.
Diese verlief für die Rechten allerdings mehr als peinlich. Während sie mit ca. 500 Teilnehmern am abgeschotteten Park-and-ride-Parkplatz an der Speestraße am Dortmunder Hafen auf und abmarschierten, erreichte die Anzahl der Gegendemonstranten in der Innenstadt fast das 20-fache.
Leider ging die größte Gegendemonstration des Bündnis ‚Dortmund stellt sich quer’ in heftigen Auseinandersetzungen aufgrund brutaler, polizeilicher Repression unter.

Im Oktober begann der organisierte Terror gegen eine In Dorstfeld lebende Familie, dessen Sohn sich öffentlich gegen Rechtsextremismus engagiert.
Mit Schmierereien angefangen, steigerten sich die Vorfälle zur Zerstörung aller Scheiben des Familienautos, einzelner Scheiben des Hauses, Belagerung des Hauses und dem Outing des 18-Jährigen und seiner Mutter als ‚Linksextremisten’ auf Plakaten in Dorstfeld und im Internet.
Das von der Presse verfolgte Thema zwang die Stadt zu einer Stellungsnahme. Diese leugnet nach wie vor die Problematik des ‚national befreitem Dorstfeld’
Die Familie ist Anfang Dezember ausgezogen.

Hier der Wdr-Bericht zum Thema.

Dies ist nur ein grober Überblick über die Geschehnisse im Jahr 2009. Beunruhigend zu Betrachten ist die immer größer werdende Zahl von rechten Straftaten, und das Herziehen vieler Nazis aus umliegenden Städten.
Viele Menschen hatten in diesem Jahr unter der wachsenden Nazibedrohungen zu leiden. Die Angriffe auf den linken Buchladen ‚Taranta Babu’ oder der Buttersäureanschlag auf das Freizeitzentrum-West, sowie dutzende schwerverletzte Opfer von Naziübergriffen zeigen uns deutlich den Handlungsbedarf in Dortmund.
Wir freuen uns über das geweckte Interesse vieler Jugendlicher am Antifaschismus in Dortmund. Wir werden auch im kommenden Jahr alles daran setzen, dass sich die Nazis in unserer Stadt nicht allzu willkommen fühlen.