Thomas Schulz Gedenkdemo 2010 in Dortmund

Schmuddel ist auch heute nicht vergessen. Zumindest nicht von den 600 Demonstranten die gestern am 3.4.2010 dem Aufruf der Dortmunder Antifagruppen folgten und lautstark ihre Wut und Trauer auf die Straßen Dortmunds trugen.

Um 16 Uhr versammelten sich die Menschen am Dortmunder Hauptbahnhof.
Eine halbe Stunde später startete die Demonstration, um nur wenige Meter weiter von der Polizei aufgehalten zu werden. Diese wählten den Aspekt der ‚Vermummung’ einiger Teilnehmer, um die Veranstaltung aufs gründlichste abzufilmen.
Nach geraumer Zeit konnte die Demo weiterlaufen. Der Zug bewegte sich Richtung Nordstadt, um bei der alten Steinwache eine erste Kundgebung zu halten. Thematisiert wurden die grausamen Verbrechen die im 3. Reich von Gestapo und SS in der Steinwache praktiziert wurden. Es wurde den zahllosen Juden/ Jüdinnen, GewerkschaftlerInnen, KommunistInnen und EdelweißpiratInnen gedacht, die hier ihr Leben ließen.

Beim weiterziehen der Demonstration wurde auf ein Antifa-Graffiti hingewiesen, welches seit kurzem einen Zug der Deutsche Bahn schmückte und zu dieser Demo aufrief.

Der nächste Höhepunkt der Demonstration war mitten in der Nordstadt, an der Kreuzung Mallinckrodtstraße/ Schützenstraße.
2 oder 3 Antifaschisten schwenkten auf einem Dach Antifa-Fahnen und bengalische Leuchtfeuer. Es wurden auch bunte Feuerwerkskörper gezündet.

Auf der Demonstration gab es kein Nationalfahnenverbot. In Folge dessen wurden im vorderen Block kleine Israelfahnen geschwenkt. Außerdem wurden Menschen aufgrund von Palästinensertüchern oder Ché Guevara-Buttons seitens eines Ordners als Antisemieten beschimpft. Von diesem Verhalten provoziert, stellten sich 2 Antifaschisten mit einer Palästinafahne auf die gegenüberliegende Straßenseite. Die Reaktion waren weitere und größere Israelfahnen und der Versuch, gewaltsam durch die Polizeikette zu den Trägern der Palästinafahne durchzubrechen.
Wir kritisieren generell das Tragen von Nationalfahnen auf antifaschistischen Veranstaltungen und möchten betonen, dass eine Gedenkdemonstration nicht zur Auseinandersetzung szenespezifischer Differenzen dienen darf.
Leider wurde in unseren Augen nicht von allen Ordnern im Interesse der Demo gehandelt, sodass es gegen unsere Bemühungen zu einer inhaltlichen Spaltung der Demonstration kam.

Die Demo endete gegen 19 Uhr an der Kampstraße, also dem Todesort Schmuddels. Es gab einen abschließenden Redebeitrag und eine Gedenkminute.
Nach Auflösung der Veranstaltungen kam es zu Übergriffen hinter dem Dortmunder Hauptbahnhof, wo eine größere Gruppe Neonazis abreisende Antifaschisten angriff. Diese waren wohl früher von ihrer Demonstration in Stolberg abgereist, um die Antifaschisten abzufangen.

Später am Abend wurde mit Hilfe des AK-Freiraums eine Freiraumparty veranstaltet, um auf die Notwendigkeit von freien Räumen fernab von Rassismus, Sexismus und Homophobie hinzuweisen.
Die Party fand in einem besetzten Haus statt, und bei mehreren Lifebands und veganem Essen wurde ausgelassen gefeiert.

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmern und Organisatoren der Veranstaltungen rund um die Ermordung von Thomas Schulz und hoffen im nächsten Jahr wieder an der Gestaltung der Demonstration mitwirken zu können.

Unseren Aufruf zur Demo findet ihr hier.

(Fotos: Antifaunion Dortmund)