Reaktion auf Naziangriff in der Dortmunder Innenstadt

Wie bereits geschrieben, wurde Heute Morgen die alternative Kneipe Hirsch-Q in der Dortmunder Brückstraße und deren Gäste erneut von einer Gruppe Nazis angegriffen. Die Angreifer versuchten Gäste der Kneipe mit Messern zu töten. Noch am selben Tag gab es eine Protestaktion in Dortmund.

Der Vorfall ereignete sich kurz vor um 0:45 Uhr morgens. Eine Gruppe von 10 bis 20 Nazis kam aus Richtung der Innenstadt, attackierte die Fensterfront der Kneipe mit Flaschen und griff draußen stehende Gäste an.
Danach stürmten die Nazis ins Innere der Kneipe.
Dort versuchten sie einen möglichst großen Sachschaden zu verursachen und zogen einzelne Menschen aus der Kneipe heraus auf die Straße. Die Menschen in der Kneipe setzten sich zu wehr und die Schlägerei ging vor der Tür weiter.
Auf am Boden liegende Menschen wurde eingetreten und mit Barhockern eingeschlagen. Es kamen ebenfalls Reizgas, Pfefferspray und Messer zum Einsatz

Einzelne Nazis versuchten in einen benachbarten Imbiss einzudringen, dessen Gäste den am Boden liegenden und schwer verletzten helfen wollten.

Nach 3 Minuten trafen die Polizei, sowie mehrere Krankenwagen ein.
Die Faschist_Innen ergriffen die Flucht in Richtung Hauptbahnhof. Ein Täter konnte aufgehalten und festgenommen werden.

Es gibt etwa ein dutzend Verletzte, von denen mindestens 4 stationär im Krankenhaus behandelt werden müssen. 2 Gäste/Passanten erlitten mehrere Schnittwunden durch Messerstiche der Faschist_Innen.

Die Angreifer gehörten eindeutig, durch Logos an Jacken zu erkennen, der Skinheadfront Dortmund-Dorstfeld an. Augenzeugen zufolge zeichneten sie sich durch „gute Vitalfunktionen“ also großen und breiten Körperbau aus. Doch auch die Nazis erlitten durch die Notwehr der Kneipengäste Verletzungen.
Die Polizei nahm später elf weitere Nazis fest. Unter diesen befand sich Sven Kahlin, der am vergangenen 1. Oktober wegen dem Mord an Thomas Schulz auf Bewährung entlassen wurde.

Dieser brutale Angriff und Mordversuch erzeugte noch am selben Abend eine Reaktion. Geschockt und wütend von den Ereignissen am Morgen, trafen sich heute Nachmittag etwa 110 Antifaschist_Innen um in der Innenstadt zu demonstrieren. Die spontane Demonstration lief laut und kämpferisch durch die Innenstadt und über den alten Markt bis zur Reinoldikirche. Mit Parolen, Transparenten und Bengalischen Leuchtfeuern erlangen die Antifaschist_Innen die volle Aufmerksamkeit der Gäste des Weihnachtsmarktes.
Am alten Markt gab es eine kurze Kundgebung, bei der die Bürger_Innen mittels Megaphon und Flyer von den Geschehnissen des Morgens aufgeklärt wurden. In dieser Zeit griff ein Nazi die Demonstrant_Innen mit einem Hocker eines Weihnachtsmarktstandes an. Sein Angriff wurde jedoch energisch abgewehrt. Die Demonstration löste sich kurze Zeit später auf.

Es ist erschreckend zu beobachten wie sich die Gewalt der Dortmunder Faschist_Innen aufgrund ihrer öffentlichen Misserfolge immer radikaler und brutaler wird. Bereits 4 Menschen wurden in Dortmund nach Kriegsende von Nazis ermordet und die Nazis versuchen weiter mehr Menschen zu töten. Es ist wichtig diese Tatsache offen auszusprechen und alle Menschen die etwas gegen Faschismus, Rassismus und Sexismus haben wach zu rütteln und zu vereinen.

+++ [Update] +++
Nach der Demonstration führte die Polizei im Innenstadtbereich willkürliche Ausweiskontrollen bei unterschiedlichen Menschengruppen durch. Ersten Angaben zufolge wurden etwa 20 Menschen kontrolliert. Gegen eine, aber vermutlich auch mehrere Personen wird wegen Verstoß gegen das Versammlungsgesetz und schwerem Landfriedensbruch ermittelt. Daher rufen wir alle betroffenen Personen dazu auf, mit der Ortsgruppe der Roten Hilfe in Kontakt zu treten. Vielen Dank!

Fotos:

Solche Stühle benutzten die Nazis als Schlagwaffe.


Die Protestdemonstration.


2 Antworten auf „Reaktion auf Naziangriff in der Dortmunder Innenstadt“


  1. 1 pacita 13. Dezember 2010 um 12:58 Uhr

    ich fänds schön, wenn die ajdo an dieser stelle noch einmal die kritik an der demo gestern aufgreifen könnte.
    wie auf indymedia bereits heisz diskutiert, gab es durchaus kritische stimmen zu dieser „energischen abwehr“ des naziangriffs auf die sponti. die energische abwehr (das zusammentreten des mannes durch 6 leute vor den augen seines kindes) war unverhältnismäßig, kontraproduktiv und dumm. überschüssige energien sollten am/vor/im nationalen zentrum abgearbeitet werden, aber nicht auf diese art und weise. es würde mich freuen, dazu ein statenment der ajdo zu lesen.

  2. 2 Administrator 13. Dezember 2010 um 19:07 Uhr

    Dem werden wir gerne nachkommen, sobald alle Gedächtnissprotokolle gehört wurden und wir einen Konsens zu dem Vorfall erarbeitet haben.
    Dies wird im Laufe dieser Woche geschehen.

    Liebe Grüße, AJD

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