2010 – Was war los ?

Am Ende des Jahres wollen wir erneut die Entwicklungen in Dortmund und wichtige Ereignisse zusammenfassen und in einen Zusammenhang setzen. Die hier aufgezählten Ereignisse und Aktionen sind keinesfalls vollständig, vielmehr soll dies als einen Überblick über die politische Praxis dienen und alle Antifaschist_Innen auf ein kämpferisches und hoffentlich erfolgreiches neues Jahr einstimmen.
Hier nun die Übersicht:

Zu Beginn des Jahres ging eine neue Outingkampagne an den Start, welche sich dadurch äußerte, dass 153 Gesichter der Dortmunder Antifa zugeordnet wurden. Man erhoffte sich Informationen über die vermeintlichen Antifaschist_Innen zu erlangen, um im nächsten Jahr nicht ganz so kläglich dazustehen.

Ende Januar griffen Nazis das Wahlkreisbüro der Linken an, zerstörten deren Scheiben und warfen Buttersäure ins Innere der Räumlichkeiten.
Der Angriff fand nachts statt und es wurde niemand verletzt.

Anfang Februar fand der Frühjahrsputz des Bündnis Dortmund gegen Rechts statt. Unter dem Motto Bund statt Braun ging es durch Dortmund-Dorstfeld.

Im März gingen wir am internationalen Tag gegen Polizeibrutalität unter dem Motto „Lieber ein Haus im Grünen als die Grünen im Haus“ das erste mal mit einer eigenen Demo auf die Straßen Dortmunds.

Im April gab es erneut zum Todestag Schmuddels eine Kundgebung und am folgenden Samstag eine Gedenkdemonstration die mit 600 Menschen durch Dortmund zog. In Folge der guten Zusammenarbeit vieler Gruppen bei der Erinnerungsarbeit gründete sich kurze Zeit später das Dortmunder Antifa Bündnis.

Ende April marschierten Nazis das erste Mal im Jahr in Dortmund. Der Aufzug von knapp 80 Personen lief vom HBF bis nach Dorstfeld.

Am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, folgten etwa 1000 Menschen dem Aufruf zum Euro-Mayday in Dortmund.

Am 4. Mai gelang es 150 Antifaschist_Innen und Antirassist_Innen einen Pro-NRW Wahlstand so zu stören, dass die Rechtspopulisten nach 10 Minuten unter Polizeischutz aus der Innenstadt flohen.
Die Pro-NRW Gegner entschlossen sich kurzerhand zu einer spontanen Demo gegen Rassismus durch Dorstfeld, bei der drei stadtbekannte Nazis mit Flaschen in die Menge warfen. Obwohl gegen einen Nazi eine Anzeige gestellt wurde, der eine Antifaschistin durch einen Wurf so verletzte, dass diese sich in ärztliche Behandlung begeben musste, wurde der bereits vorbestrafte Faschist nur zu einer Geldstrafe von 1500 Euro wegen „versuchter Körperverletzung“ verurteil.

Am 15. Mai kam es zu einem sehr brutalen Übergriff, als eine Gruppe von 10 bis 15 Nazis Jugendliche am Dortmunder Stadtgarten angriffen, und diese durch die Innenstadt jagten.
Ein Jugendlicher musste aufgrund einer Flasche die ihm ins Gesicht geworfen wurde und den anschließenden Fußtritten der Nazis ins Krankenhaus gebracht werden.
Von den anschließend festgenommenen Nazis wurde keiner verurteilt.
Am selben Abend wurde ein junges Mädchen von Nazis überfallen, geschlagen und getreten. Sie erlitt mittlere Verletzungen.

Ende Mai warfen Unbekannte dem alternativen „Café Aufbruch“ in Dortmund Hörde die Scheiben ein.

Im Juni verstarb ein 32 Jähriger Mann, der festgenommen werden sollte da er unter Drogen stand. Die Polizei setzte Pfefferspray ein um den Mann gefügig zu machen. Er kollabierte und verstarb kurze Zeit später im Krankenhaus. Noch in derselben Nacht protestierten 50 Menschen vor der Polizeiwache in Dortmund-Mengede.

Am 9. Juli fand eine Nazikundgebung am HBF statt, da der Versuch der Nazis, ein Haus auf der Rheinischen Straße zu kaufen welches ihnen seit langem als „Nationales Zentrum“ dient missglückt ist. Die Stadt kaufte ihnen das Haus vor der Nase weg. Fast 200 Menschen protestierten vor Ort gegen die rechte Veranstaltung.

Am 18. Juli traute sich Pro-NRW erneut nach Dortmund, um in Dortmund Hörde gegen Muslim_Innen zu hetzen. Mehre Hundert Menschen demonstrierten im Stadtteil in Sicht und Hörweite zu den Rechtspopulisten.

Am 9. August wurde der Dortmunder Taxifahrer „Taxi-Tom“ von zwei Nazis überfallen und mit dem Tod bedroht, da er zu einer Demonstration gegen den „nationalen Antikriegstag“ der Nazis aufrief.

Drei Tage später kam es erneut zu einem sehr brutalen Übergriff am Dortmunder Stadtgarten. Ein vor Ort bekannter Nazi trat einem auf dem Boden sitzenden 17-Jährigen mehrmals ins Gesicht. Der Jugendliche musste drei Tage auf der Intensivstation des Krankenhauses verbringen.
Obwohl der eingetroffenen Polizei Identität und Aufenthaltsort des Angreifers bekannt gegeben wurde, nahm diese den Nazi nicht fest.

Ebenfalls im August ging die Initiative UZ-Do an den Start, die sich für ein unangepasstes und alternatives Zentrum in Dortmund einsetzt.

Ab Ende August bis Anfang September veranstalteten die Nazis viele Aktionen um für ihren „Antikriegstag“ zu werben. Wir meldeten regelmäßigen Gegenkundgebungen an und begleiteten die Nazis mit unserem Protest durch verschiedene Orte in Dortmund.
Während die AN’s am 25. in Aplerbeck Flyer verteilten, warfen Unbekannte einen Mollotovcocktail nach den verantwortlichen Nazis der Übergriffe am Dortmunder Stadtgarten.
Aus Rache oder Frust versuchten 20 bis 25 Nazis am Morgen des 26. Augusts die alternative Kneipe Hirsch-Q anzugreifen. Das Himmelfahrtkommando der AN’s wurde energisch zugedrängt und bis zum Hauptbahnhof in die Arme der Polizei gejagt.

Am 6. September fand der 6. „nationale Antikriegstag“ mehr oder weniger statt. Die geplante Demo der Nazis endete als Kundgebung zwischen den Kontainerstapeln am Dortmunder Hafen und die angereisten Nazis verließen vor Langeweile die Veranstaltung.
In diesem Jahr schlossen wir uns keinem der beiden Bündnisse zu den Gegenprotesten an, da die innerlinken Streitigkeiten der Bündnisse sich wiederholt kontraproduktiv auf den Widerstand gegen die Nazis auswirkten.

Ende September wurde der Mörder von Thomas Schulz „Schmuddel“, Sven K. aus der Haft entlassen. Die Reaktion war eine Antifademo durch Dorstfeld.

Im November kam es zu einer Hausdurchsuchung des „nationalen Zentrums“ an der Rheinischen Straße. Die Folge waren Flyeraktionen und eine Demonstration der Nazis am 4. Dezember, die beide auf unseren Protest stoßen.

Vom 1.bis 24. Dezember outete die Antifa-Adventscrew täglich einen Nazi aus Dortmund und Umfeld.

Am Morgen des 12. Dezember, griffen etwa 15 Nazis erneut die Kneipe Hirsch-Q an.
Unter den Angreifern befand sich auch der Mörder Sven K. Mehrere Menschen wurden verletzt und mussten teilweise mit Stichwunden ins Krankenhaus gebracht werden.
Die Reaktion war eine Spontandemonstration mit 120 Teilnehmer_Innen am selben Tag, sowie eine größere Demo mit 250 Teilnehmer_Innen eine Woche später.

Am 31. Dezember, dem letzten Tag des Jahres zogen etwa 70 bis 80 traurige Gestalten aus Dorstfeld durch die menschenleere Innenstadt zum HBF.
Dort wurden sie von etwa 20 Antifaschist_Innen mit Parolen begrüßt.
Die Reden der Faschist_Innen gingen im andauernden Kirchglockengeleut unter.
Um 15 Uhr endete die Veranstaltung, ohne das angekündigte Konzert und Feuerwerk.

Dieses Jahr bot eine Fülle an Aktionen die den Nazis zeigte, dass die Dortmunder Antifa das immer größer werdende Naziproblem vehement bekämpft. Doch das Problem ist noch nicht aus der Welt geschafft, denn die Dortmunder Realität ist eine von Naziattacken und Überfällen geprägte Situation. Die Dortmunder
Nazis scheuen nicht davon zurück in der Öffentlichkeit Menschen zu attackieren, die nicht in ihr Weltbild passen. Sie schrecken nicht einmal davor zurück Menschenleben zu opfern.
Doch die Übergriffe dieses Jahres werden nicht unbeantwortet bleiben und setzten bei uns eine Bewegung des noch größeren Widerstands gegen Nationalismus frei. Besonders erzürnt waren wir dieses Jahr über die deutsche Justiz die manifest gewaltbereite Nazis nicht verurteilte und verurteile Mörder wieder auf Dortmunds Straßen lässt. Ebenfalls hervorheben muss man das Verhalten der Stadt Dortmund, die sich gegen eine alternativ Kultur in Dortmund stellt und der Initiative des UZ-Dortmund repressiv gegenübersteht. Dieses Verhalten, der Stadt Dortmund, kann nur der rechten Szene in Dortmund zu Gute kommen. Doch trotzdem, oder gerade deshalb werden wir auch im nächsten Jahr den Faschist_Innen entgegentreten. Wir werden uns darauf konzentrieren noch mehr Jugendliche zu politisieren und aufzuklären. Auch geäußerter Kritik standen wir nicht taub gegenüber und werden uns bemühen im nächsten Jahr professioneller und kontinuierlicher zu arbeiten.
In diesem Sinne,

Für eine antifaschistische Jugendbewegung in Dortmund!

auf ein kämpferisches und erfolgreiches Jahr 2011.

Antifaschistische Jugend Dortmund