Das schulden wir Thomas

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Zum 6. Mal nähert sich nun der Todestag von Thomas Schulz. Auch 6 Jahre nach dem Mord arbeiten örtliche Antifaschist_Innen an der der Gedächtnisarbeit für den Dortmunder Punk, der am Ostermontag den 28.03.2005 von einem Neonazi in einer U-Bahnstation in der Innenstadt erstochen wurde.
Ein Wortgefecht eskalierte, der angetrunkene Thomas bemerkte nicht wie der damals 17-Jährige Nazi Sven Kahlin ein Messer zog. Kahlin stach Thomas Schulz das Messer ins Herz. Dieser erlag kurze Zeit später seinen schweren Verletzungen.
Er hinterließ zwei Kinder.
Noch in derselben Woche brachten 4000 Antifaschist_Innen ihre Trauer und ihren Protest in Dortmund zum Ausdruck.

Jedes Jahr fanden an Thomas Todestag eine Gedenkkundgebung, sowie eine Antifademo am folgenden Wochenende statt. Der Tatablauf an der Kampstraße wurde wieder und wieder beschrieben und die Umstände analysiert.
Unser Wunsch nach einer Stadt ohne Fremdenhass und rechtsradikaler Gewalt ist heute größer denn je, und auch dieses Jahr werden wir der Stadt zeigen, dass wir Thomas nicht vergessen haben.
Wir werden nie darüber schweigen, wer Thomas war, warum er sterben musste und welche Rolle seine Heimatstadt spielte.

Thomas’ Tod vor 6 Jahren, hat uns und auch vielen weiteren lokalen Antifaschist_Innen etwas klar gemacht:
Wir leben in einer Stadt, in der man Gefahr läuft, sein Engagement gegen faschistische Strukturen, gesellschaftlichen Rassismus und Sexismus mit dem Leben zu bezahlen.
Nach Ende des Nationalsozialismus war „Nie wieder Faschismus“ die Losung.
„Nie wieder Faschismus“ – Ein Lippenbekenntnis, denn das öffentliche Auftreten von Faschist_Innen ist heute längst kein Skandal mehr.
Allein in der Geschichte der wiedervereinigten Bundesrepublik Deutschland wurden über 130 Menschen von Nazis ermordet. Viele weitere Morde wurden seitens des Staates entpolitisiert. Auch im Fall Thomas Schulz habe man keine politische Motivation des Täters erkennen können.
Vier Menschen starben in Dortmund, durch die Hände der Nazis Michael Berger (Jahr 2000) und Sven Kahlin.

Doch wie geht die Stadt mit dieser Tatsache um?
Nach den regelmäßigen Übergriffen auf Antifaschist_Innen, Opfern rechter Gewalt und Naziaufmärschen und Kundgebungen ist das Thema in der Mitte der Gesellschaft angekommen.
Die bundesweit für ihre rechte Szene bekannte Westmetropole hatte stehts geleugnet, ein Problem mit Nazis zu haben, doch nun ist die Stadt zum Handeln gezwungen.
Außer „Runden Tischen“ und medienwirksamen Aktionen geschieht jedoch nicht viel und die Arbeit gegen die rechte Gewalt bleibt an autonomen Gruppen hängen.
Diesen begegnet man mit Repression und Kriminalisierung.
Oft werden beide Seiten gleichgesetzt.

Eine Sache ist dann doch geschehen, so wurde der wegen Totschlags zu 7 Jahren Haft verurteile Sven Kahlin, im September 2010 von den örtlichen Behörden frühzeitig entlassen.
Demnach muss er als ungefährlich und rehabilitiert eingeschätzt worden sein.
Doch Thomas’ Mörder wurde in der rechten Szene mit offenen Armen empfangen. Straßen wurden symbolisch nach ihm umbenannt, Kahlin ist in seiner Szene ein Held.
Er besucht rechte Demonstrationen, tritt als Redner auf, trägt T-Shirts mit Aufschriften wie „Was sollten wir bereuen?“ und war an einem Übergriff von etwa 15 Nazis beteiligt, die eine alternative Kneipe überfielen, auf deren Gäste einprügelten und versuchten diese mit Messern tödlich zu verletzten. Mindestens eine Person musste mit Stich und Schnittverletzungen im Krankenhaus behandelt werden.
Auch Kahlin führte ein Messer mit sich.

Vorfälle wie diese häufen sich. Rückzugsorte für Antifaschist_Innen, Migrant_Innen oder alternative Jugendliche gibt es nicht.
Thomas Schulz wird nicht das letzte Todesopfer sein wenn sich hier nichts ändert.
Nazistrukturen zu bekämpfen ist daher eine dringende Notwendigkeit.

Doch unser Kampf beschränkt sich nicht nur darauf den Nazis das Leben so schwer wie möglich zu machen, denn auch in Dortmund fallen Nazis nicht einfach vom Himmel.
Faschistische Ideologie entsteht in der Mitte der Gesellschaft eines auf Konkurrenz basierenden Systems.
Wir leben in einer Stadt in der CDU und FDP am Shoa-Gedenktag gegen Migrant_Innen aus der Nordstadt hetzten und Einwohner_Innen aus Lütgendortmund Hand in Hand mit den Faschist_Innen, die Thomas’ Tod glorifizieren, gegen die Verlegung eines Asylantenheims protestieren.
Kritisches Denken und einen antirassistischen Grundkonsens scheinen der bürgerlichen Gesellschaft komplett zu fehlen.
Da ist es kein Wunder, dass sich rassistisches Gedankengut in den Köpfen bildet und die rechtsradikale Szene immer größer und selbstbewusster wird.
Deshalb richtet sich unser Protest gegen die „heile Welt“ eine Volksgemeinschaft, die andere Menschen ausschließt und selbstgefällig dabei zusieht, oder einfach ignoriert wie Faschist_Innen Menschen terrorisieren und ermorden die nicht in ihr Weltbild passen.

Wir sind keine Extremist_Innen, doch ist unser Protest extrem wichtig. Wir haben nicht vergessen was am Ostermontag 2005 geschah. Darum werden wir auch dieses Jahr auf die Straßen gehen und allen Dortmunder_Innen zeigen, dass ihre Ignoranz den Faschist_Innen Tag für Tag den Weg ebnet. Das schulden wir Thomas, das schulden wir allen Opfern rechter Gewalt auf der ganzen Welt.

Kundgebung in Gedenken an Thomas Schulz
28.03.2011 – 18.30 Uhr – Dortmund [U-Bahnstation Kampstraße]

Antifa-Demo „Nichts und niemand ist jemals vergessen!“
02.04.2011 um 16.00 Uhr am Dortmunder Hauptbahnhof!

Hier geht es zum Aufruf des Dortmunder Antifa Bündnis.