In Gedenken an Josef Anton Gera

BildAm 14 Oktober 1997 wurde der 59-Jährige Josef Anton Gera in Bochum von Nazis tödlich verletzt.
Drei Tage darauf, am 17. Oktober starb er aufgrund dieses schweren Angriffes im Krankenhaus.
An seinem Todestag, 14 Jahre nach seinem Tod wollen wir erneut daran erinnern, warum Gera sterben musste.
Zusätzlich wollen wir den Hass der Täter in einen gesellschaftlichen Kontext stellen und die Alltäglichkeit von Homophobie aufzeigen.

Der Tathergang

Am Abend des 14. Oktober 1997 feierte Josef Gera mit mehreren Menschen aus dem Umfeld der Obdachlosenszene in einer leer stehenden Hütte auf dem Bochumer Kruppgelände.
Doch Josef Gera war homosexuell und die besagte Hütte ein häufig genutzter Aufenthaltsort zweier rechtsradikaler Obdachlose.
Gera störte sich zwar nicht an den mit Hakenkreuzen und SS-Schmierereien versehenen Wänden, verzichtete jedoch auch nicht darauf, seine Sexualität bewusst geheim zu halten.
Als sich die beiden Nazis über diese bewusst wurden, ergriffen sie Stahlrohre und schlugen erbarmungslos auf ihr Opfer ein.
Als sie schließlich von ihm abließen, schleppte sich der schwer verletzte Gera zur nächsten Straße.
Passant_innen brachten ihn in ein Krankenhaus.
Drei Tage später starb er an den folgen mehrer Rippenbrüche, einem Milz und Leberriss, eines verletzten Lungenflügels sowie zahlreicher weiterer Wunden und Prellungen.

Homophobie im Alltag

Homophobie ist eine soziale Aversion bis Feindseligkeit die sich gegen Schwule und Lesben richtet.
Diese Ablehnung ist dabei immer irrational, also nicht sachlich begründbar.
Das Phänomen Homophobie zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten, Altersklassen und Kulturkreise.
In Deutschland stellt die staatliche Verfolgung von Homosexuellen eine der längsten Kontinuitäten der Gesetzgebung des NS-Regimes dar, doch auch nach der Aufhebung des § 175 im Jahr 1994 ist Homophobie im Alltag fest integriert.

Eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts iconkids & youth, im Jahr 2002 besagt, dass 61% aller Jugendlichen eine ablehnende Haltung gegenüber Schwulen und Lesben vertreten.
Dies äußert sich in der Realität durch Gaffen, Auslachen und Ausgrenzung auf der Straße, in der Schule oder im Sportverein.
“Schwul“ oder „Schwuchtel“ sind im Jugendjargon gebräuchliche Ausdrücke, um negative Dinge zu umschreiben oder andere zu beleidigen.
Dieser psychische Terror, macht zusammen mit körperlichen Angriffen das Leben homosexueller Jugendlicher so schwer, dass diese im Schnitt Vier mal so selbstmordgefährdet sind wie heterosexuelle gleichaltrige.

Im Bereich des Sports ist es besonders der Fußball, der aufgrund seiner Popularität durch die Fußballweltmeisterschaft der Männer eine große Plattform für homophobes Gedankengut darstellt.
Aufgrund traditioneller Rollenbilder haben viele Menschen ein verqueres Bild von Männlichkeit.
Diese „Männlichkeit“ wird stets mit Stärke, Kampfgeist oder Durchsetzungsvermögen assoziiert.
Weiblichkeit oder Homosexualität wird hingegen mit Schwäche verbunden.
Während der Frauenfußball gemäß dem Patriarchat als langweilig und unwichtig denunziert wird, haben Schwule im Männerfußball mit enormen Formen der Feindseligkeit zu kämpfen.
Homophobe Parolen in der Fankurve, gewalttätige Angriffe gegen schwule oder als schwul empfundene Spieler innerhalb der Mannschaft oder die Tabuisierung des Themas im Verein sind traurige Normalität.

Auch die Religion ist in Sachen Schwulenfeindlichkeit ganz vorn mit dabei.
Da bildet auch das als friedfertig und gemäßigt geltende Christentum keine Ausnahme.
Viele Verse des neuen und alten Testaments können als eindeutig Schwulenfeindlich verstanden und interpretiert werden.
In den Augen vieler katholischer Christ_innen sind homosexuelle Menschen Sünder_innen, die aufgrund ihres Vergehens an Gott in der Hölle Qualen erleiden sollen.
Diese verachtende Ideologie leben sie auch im Alltag aus.
Auch viele nicht-gläubige Menschen suchen in der religiösen Argumentation eine Rechtfertigung für ihre irrationale Ablehnung gegenüber nicht-heterosexullen.

Diese Ablehnung rührt jedoch in allen Fällen von der Angst und oder der Intoleranz gegenüber der unbekannten Sexualität und den damit verbunden Lebensweisen her.
Diese Ablehnung wird durch Erziehung weitergegeben und im Alltag akzeptiert.
Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist nie sachlich begründbar und dient immer dem Zweck des Ausschlusses, einer als „unerwünscht“ empfunden Gruppe.
Dieser Ausschluss geht natürlich nicht nur von Einzelpersonen aus
Ein aktuelles Beispiel ist die Verdrängungen der lokalen Schwulenszene durch die Stadt Dortmund.

Es könnte soviel besser sein.

Uns kotzt die Normalität solcher homophoben Zustände im Alltag krass an.
Denn die Kategorisierung von Menschen aufgrund ihrer Sexualität und das damit verbundene Zuschreiben von speziellen Eigenschaften ist nicht nur strohdumm, sondern widerspricht auch unserem Idealbild einer zwanglosen und emanzipatorischen Gesellschaft.
Wir streben diese Gesellschaft an, denn wir wollen, dass jeder Mensch unabhängig seiner Sexualität, Herkunft oder Weltanschauung am sozialen Leben mit gleicher Freude teilnehmen kann.
Gemeinsam können wir diesen Zustand erreichen, doch homophobe Idiot_innen, Macker und Rassist_innen haben in so einer Gesellschaft des Miteinanders keinen Platz!

Fight Homophobia!