Der Fall Dominique Koumadiou

Am 14 April 2006 wurde Dominique Koumadiou im Alter von 23 Jahren von einem Dortmunder Polizisten erschossen.
Die Umstände seines Todes sind bis heute nicht gänzlich aufgeklärt.
Die Staatsanwaltschaft spricht von der Notwehr des 45-Jährigen Polizeibeamten.
Das Verfahren gegen ihn wurde eingestellt.
Doch es ist nicht auszuschließen, dass der aus der Demokratischen Republik Kongo stammende Dominique Opfer eines rassistisch-motivierten Fehlverhaltens der Polizei wurde.

Es war etwa 16 Uhr, als ein Kioskbesitzer an der Bayrischen Straße 101 im Dortmunder Stadtteil Eving, die Polizei alarmierte, da er von Dominique mit einem Messer bedroht wurde.
Er schloss das Verkaufsfenster, um sich in Sicherheit zu bringen und wartete auf die Polizei.
Als kurze Zeit später zwei Polizisten und eine Polizistin eintrafen, bestand nach Aussage eines beteiligten Beamten keine Bedrohungssituation.

Doch nun scheint etwas vorgefallen zu sein, dass sich aus der Ermittlungsakte nicht herleiten lässt.
Es ist unklar, was Dominique provozierte und ihn veranlasste das Polizeiauto zu attackieren und die Seitenscheibe des Beifahrersitzes mit dem Messer zu beschädigen.
In Folge seines Angriffes auf das Polizeiauto alarmierten die Polizisten weitere Streifenwagen über Funk und stiegen aus dem Fahrzeug.
Dominique bewegte sich auf die beiden Beamten zu.
Als etwa noch drei Meter Abstand zwischen ihm und den Polizisten war, eröffnete einer das Feuer und traf den 23-Jährigen mit einem Schuss ins Bein und mit einem weiteren in die Brust.
Der zweite Schuss war ein glatter Herzdurchschuss und tötete Dominique Koumadiou auf der Stelle.

Wenn ihr das nicht aufklärt, war es Mord!

In Folge seines gewaltsamen Todes organisierten seine Freund_innen und Angehörige eine Spontandemonstation und gingen am 22. April 2006 zusammen mit über 500 Menschen auf die Straße.
Sie trauern um Dominiques Tod und fordern die gerechte Aufklärung der Todesumstände, denn viele Dinge sind noch ungeklärt.
Die Polizei untersagte den Demonstrant_innen die Polizei als Verantwortliche für Douminiques Tod darzustellen und die von seiner Schwester beantragte Akteneinsicht wird lange Zeit verwehrt.

Ihre Anwälte legten Beschwerde ein.
Doch bis Heute blieben die Antworten auf die Fragen, die eine politische Beurteilung der Tat erleichtern, aus.

Bis Heute ist unklar, was geschah bevor Dominique den Streifenwagen attackierte und welches Ereignis ihn dazu provozierte.

Weiter ist unklar, warum die Polizisten nicht auf die angeforderte Verstärkung warteten, noch den bewaffneten Dominique über die Lautsprechanlage warnten, sondern aus dem Wagen stiegen und so eine Gefahrensituation erst konstruierten.

Ebenfalls fragwürdig ist, warum der Todesschütze ausgerechnet ein Spezialist im Umgang mit Amokläufern und Bewältigungen besonderer Einsatzlagen war und sich dennoch nicht in der Lage sah, die Situation nur durch den Einsatz von Pfefferspray, Kampfsporttechniken oder des Schlagstocks zu entschärfen.

Und warum schoss der Beamte Douminique nach dem Beinschuss noch einmal direkt in sein Herz?
War er tatsächlich nach dem Beinschuss noch nicht kampfunfähig?

Die Frage nach der Anzahl der Polizisten die Douminique gegenüberstanden ist ebenfalls offen, da alle Zeugenaussagen der offiziellen Version von nur einem Beamten widersprechen.

Die Tatsache, dass all diese Fragen nicht aufgeklärt wurden, lässt darauf schließen, dass die Dortmunder Staatsanwaltschaft sowie die Polizeiführung erst gar nicht an einer ausführlichen Aufklärung der Ereignisse am 14. April 2006 interessiert sind.
Die Gefahr, die Darstellung der Notwehrsituation könne ins Schwanken geraten und durch ein weiteres Todesopfer rassistischer Polizeigewalt ersetzten, erschien dem Anschein nach zu hoch.

Polizeimorde in Deutschland

Solche Todesfälle sind leider in Deutschland wie international keine Seltenheit…
Rassismus und rassistisch motivierte Gewalt ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen und trauriger Alltag.
Selbstverständlich gehören Polizist_innen ebenfalls zum Täter_innenkreis.
Ihre Machtposition verleitet sie sogar zu rassistischen Übergriffen und aufgrund ihrer Rolle als Exekutivkörper des Staats werden sie so gut wie nie mit weiteren rechtsstaatlichen Repressalien konfrontiert.
Dies liegt in erster Linie daran, dass der Staat kein Interesse daran hat, seine ausführende Gewalt in ein schlechtes Bild zu rücken.
Im Zweifelsfall wird vor Gericht der Aussage eines Polizisten immer mehr Glauben geschenkt.
Außerdem hemmt die Kameradschaft unter den Beamten die Bereitwilligkeit gegen eigene Kolleg_innen auszusagen.
Mobbing und Einschüchterungsversuche bis zu Morddrohungen sind ein Grund wieso Beamt_innen nicht gegen ihre prügelnden Kolleg_innen aussagen.

Hinzukommt, dass es sich bei den Opfern von Polizeigewalt oft um desozialisierte Menschen, wie Wohnungslose, Drogenabhängige, oder Prostituierte handelt, die gemäß der modernen Klassengesellschaft nicht die Mittel haben auf ihre Situation aufmerksam zumachen.

Da ist es kein Wunder, dass etliche Gewalttaten und Morde in Deutschland nicht aufgeklärt, und die uniformierten Täter_innen nicht zur Verantwortung gezogen werden.

Beispiele dafür sind der 26-Jährige Dennis J. der an Silvester 2008 im brandenburgischen Schönfließ von einem Poliziten erschossen wurde.

Adem Özdamarder, ebenfalls 26, wurde am 17.Februar 2008 in einer Polizeiwache in Hagen so verletzt, dass er ein Hirnödem erlitt, an dem er starb.

Oder der 34-Jährige Oury Jallo, der am 7.Januar 2005 gefesselt in einer Polizeizelle in Dessau – Sachsen-Anhalt bei lebendigem Leib verbrannte.
Diese traurige Aufzählung ließe sich lange weiterführen.
Eine offizielle Bilanz von physischer Gewaltanwendung und Todesopfern seitens der Polizei gibt es jedoch nicht.

Wir fordern deshalb die umgehende Aufklärung aller Todesumstände von Opfern von Polizeigewalt und kämpfen langfristig für das Überwinden dieses Systems welches Rassismus und Gewalt Tag für Tag reproduziert.