Archiv für April 2012

Naziübergriff auf Kneipe nach BVB-Spiel

BildIn der Nacht von Samstag auf Sonntag kam es vor der Kneipe „Hirsch-Q“ in der Dortmunder Innenstadt zu einem Übergriff mehrerer Neonazis und rechter Fußballfans auf Kneipengäste.

Bereits um ca. 23 Uhr baute sich vor der Kneipe in der Brückstraße eine etwa zehnköpfige Personengruppe auf, die auf Höhe der Straße Helle befindliche Kneipengäste anpöbelte und mit rufen wie „SS, SA, Borussia“ und „Scheiß Antifa“ ihre rechte Gesinnung zeigten. Einige der beteiligten Personen fielen auch durch das Tragen von Kleidung der von Neonazis vertriebenen Kleidungsmarke „Thor Steinar“, sowie Fanbekleidung der rechten Hooligan-Band „Kategorie C“ auf. Die Personengruppe legte sich an einer in der Helle befindlichen Baustelle Flaschen und Baustellenutensilien als Wurfgeschosse bereit, verschwand jedoch nach dem Eintreffen der verständigten Polizei.

Wenige Stunden später, zwischen ein und zwei Uhr nachts, kam es zu einer weiteren Störung durch die Personengruppe, die mittlerweile auf ca. 15 Personen angewachsen war. Mit Holzlatten und anderen zum Teil der Baustelle in der Helle entnommenen Wurf- und Schlagwerkzeugen versuchte die Gruppe, die Gäste der Kneipe anzugreifen. Erst nach dem Eintreffen von Beamten der Polizeihundertschaft flüchteten die Angreifer abermals. Unter anderem durch Flaschenwürfe der rechten Fußballfans wurden mindestens drei Personen, die sich auf der Brückstraße aufhielten leicht verletzt.

Hanna Piehl, Sprecherin des Dortmunder Antifa-Bündnisses, äußert sich wie folgt zu dem Übergriff: „Dieser Vorfall reiht sich in eine lange Liste von geplanten Angriffen auf die ‚Hirsch-Q‘ wie auch auf andere Dortmunder Einrichtungen, die sich gegen Neonazis positionieren, ein.“

Piehl weiter: „Die Angreifer waren durch Kleidung und gerufene Parolen eindeutig als neonazistische Fans des BVB zu erkennen. Nachdem Mitglieder der Ultragruppierung ‚Desperados‘ bereits bei dem Spiel gegen den SV Werder Bremen durch ihre menschenverachtende Gesinnung in Erscheinung getreten sind, zeigt dieser Übergriff einmal mehr, dass es in gewissen Kreisen der Dortmunder Fanszene Anknüpfungspunkte für Neonazis gibt.“

Ermittlungen gegen Polizeibeamte

Wie die Oberstaatsanwaltschaft bestätigt, sind nach der Schmuddel-Gedenkkundgebung am 28.4 nicht nur Ermittlungsverfahren gegen Teilnehmer_innen eingeleitet worde.
Auch gegen einige Polizeibeamte der Dortmunder Hundertschaft wird ermittelt.
Die Kundgebung sollte an den nunmehr 7. Todestag des ermordeten Punks Thomas Schulz erinnern, als Polizist_innen die Teilnehmer_innen massiv angriffen, um nach eigenen Aussagen „Platzverweise durchzusetzen“.
Ein Video dokumentiert die Übergriffe der Beamt_innen:

Antifademo durch Dorstfeld

BildDas Dortmunder Antifa-Bündnis zieht eine positive Bilanz der antifaschistischen Demonstration “Rechte Gewalt unmöglich machen!” durch Dorstfeld. Die kraftvolle und lautstarke Demonstration setzte ein deutliches Zeichen gegen Nazis in Dorstfeld und rechte Alltagskultur. Störungen durch Angehörige der rechten Szene blieben aus, obwohl die Nazis Dorstfeld gerne als “ihren” Stadtteil betrachten.

Weniger zufrieden zeigt das Dortmunder Antifa-Bündnis sich jedoch mit dem Verlauf der Proteste gegen den Naziaufmarsch am Nachmittag. Trotz des neuen Polizeipräsidenten hat sich an der Bereitschaft der Polizei, Neonazis die Straße freizuräumen, nichts geändert. Effektiver Protest, der über das Herumstehen an Polizeisperren hinausgeht, wird auch unter Norbert Wesseler verhindert.

Enttäuschend ist weiterhin, dass die Polizei nicht gegen fotografierende Neonazis vorgeht. Immer wieder hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass die Neonazis Bilder von antifaschistischen Demonstrationen zur Vorbereitung ihrer Überfälle benutzen. Antifaschist_innen, die sich dagegen mit Tüchern und Sonnenbrillen schützen wollen, werden von der Polizei mit Strafanzeigen bedroht. Darüber hinaus versuchte die Polizei rechtswidrigerweise, Zivilpolizisten innerhalb der antifaschistischen Demonstration einzusetzen. Der Versuch misslang, da Demonstrationsteilnehmer_Innen auf die Zivilpolizisten aufmerksam wurden und diese enttarnen konnten.

Insgesamt gingen am heutigen Samstag über 1.000 Menschen gegen den Naziaufmarsch auf die Straße. Angesichts der Polizeistrategie, lediglich symbolische Störaktionen zuzulassen, konnte der Naziaufmarsch nicht verhindert werden. Als Fazit des Tages kann festgehalten werden, dass auch der neue Polizeipräsident nicht bereit ist, wirkungsvoll gegen Nazistrukturen und Naziaufmärsche in Dortmund vorzugehen.